Chips, auf denen Mikrolungen für Medikamententests kultiviert werden, ein neuer Ansatz für die Immuntherapie bei Krebs und ein Rehabilitationssystem für das Gangtraining – dies sind die Nominierten des diesjährigen CTI Medtech Awards. Der Preis wird im Rahmen des Swiss Medtech Days am 13. Juni erneut von Bundesrat Johann Scheider-Ammann übergeben.

Der Swiss Medtech Day ist der bedeutendste Branchenanlass. Er findet am 13. Juni 2017 im Berner Kursaal statt und wird zum zweiten Mal von den beiden Medtech-Organisationen FASMED und Medical Cluster (ab dann Swiss Medtech) gemeinsam mit der Kommission für Technologie und Innovation (KTI) des Bundes durchgeführt. Höhepunkt ist die Verleihung des begehrten CTI Swiss Medtech Award 2017, für den diese drei Projekte nominiert wurden. Sie werden von der  KTI unterstützt.

Revolution in der Gangtherapie

Neurologische oder orthopädische Patienten, die nach Verletzungen oder Eingriffen nicht mehr gehen können, brauchen intensive Trainings. Zur Unterstützung werden Gehhilfen eingesetzt, die jedoch Mängel haben. Marc Bolliger, Forschungsleiter des Zentrums für Paraplegie an der Zürcher Uniklinik Balgrist, beauftragte die Lutz Medical Engineering AG mit der Entwicklung und dem Bau eines Entlastungssystems. Dabei entstand ein Seilroboter zur Gewichtsentlastung, der im Gegensatz zu den herkömmlichen Verfahren oberhalb des Patienten installiert wird.

Das System namens «The Float» ist in drei Punkten einzigartig: Es entlastet je nach Bedarf bis zu 60 Prozent des Körpergewichts. Es erkennt, wenn eine Person im Begriff ist zu stürzen, und fängt sie auf. Es erlaubt das freie Gangtraining und ermöglicht auch das Training von Treppensteigen. «The Float» wird derzeit an der Universität Basel für den klinischen Betrieb perfektioniert. 

Atmender Chip ersetzt Tierversuche

Besser, günstiger und mit weniger Tierversuchen Medikamente entwickeln: So lauten die Ziele von Olivier Guenat, Biomediziningenieur am ARTORG Forschungszentrum der Universität Bern, und seinem Kollegen Janick Stucki. Mit einem «Lung-on-Chip» wollen sie die Lebensbedingungen von Lungenzellen bei in-vitro-Anwendungen möglichst perfekt nachahmen, sodass gewisse Tests der klinischen Phase bereits in der präklinischen Phase erfolgen können.

Mit ihrer Firma Alveolix haben sie bereits einen ersten einfachen Prototyp entwickelt, der nun bis zur industriellen Produktion weiterentwickelt werden soll. «Wir sind weltweit die einzigen, welche die dünne Luft-Blut-Schranke inklusive der dreidimensionalen Ausdehnung der Atembewegung reproduzieren können», sagt Guenat.

Bei Krebskranken die eigene Abwehr stärken

Das Impfprodukt, mit dem Maxivax und die Universitätsspitäler Genf Krebs bekämpfen wollen, setzt auf eine Stärkung der Immunantwort des Patienten gegen seine eigenen Krebszellen. MVX-ONCO-1 besteht aus zwei Komponenten: 1) Ein Wirkungsverstärker für das Immunsystem, für den menschliche Zellen genetisch reprogrammiert und in eine kleine Hohlfaserkapsel abgefüllt werden, die anschliessend unter die Haut des Patienten implantiert wird. 2) Bestrahlte Tumorzellen vom Patienten selbst, die neben dem Implantat als Ziel für die Immunantwort platziert werden.

Die wichtigsten Vorteile dieses Ansatzes bestehen darin, dass alle Antigene des Krebses im Visier des Impfstoffes sind und dass der Wirkungsverstärker kontinuierlich abgegeben wird. In einem ersten KTI-Projekt wurden die zwei biologischen Wirkstoffe für die Impftherapie entwickelt, in einem zweiten wurde eine Phase 1 Studie durchgeführt, die ergab, dass die Therapie sicher und gut verträglich ist.